Viele im Bekanntenkreis sind sich einig: Trump müsse seine zweite Wahlperiode überleben, weil bei einem vorzeitigen Ausfall mit Vizepräsident Vance eine noch gefährlichere Alternative an die Macht käme, die im Gegensatz zu Trump rational handle.
Es mehren sich die Zweifel an diesem Standpunkt:
Trump befindet sich in einem geradezu irrsinnigen Machtrausch. Ja, das ist irrsinnig, der ist unzurechnungsfähig. Er schwafelt davon, wie viele „Frieden“ er schon „gestiftet“ habe und ist beleidigt, dass er den Friedensnobelpreis nicht bekommen hat. Er glaubt vermutlich wirklich an seine Aussagen wie, ER könne „mit Kuba machen, was er wolle“, ER könne die iranische Öl-Exportinsel Charg noch einmal „zum Spaß“ bombardieren.
Dass der von ihm mit Israel angezettelte Irankrieg den gesamten nahen Osten in ein hochexplosives Pulverfass verwandelt hat, an das schon ständig die Lunte gelegt wird, dass die relative Ruhe im Gaza-Streifen von Israel dazu benutzt wird, im Süden des nominell souveränen Staats Libanon ein zweites Gaza hinzubomben, nimmt er nicht wahr. Dass er mit seinen ständigen Drohungen und Rückziehern, mit seinen Lügen über angebliche Verhandlungserfolge, die dann doch immer scheitern, weil es sie vermutlich nie gab, die Weltwirtschaft in einen gefährlichen Taumel versetzt, dessen Folgen wie immer als erste die zu spüren bekommen, die ohnehin schon hungern, interessiert ihn nicht.
Offenkundige Kriegsverbrechen und Geisteskrankheit wären rechtlich hinreichende Gründe für ein Impeachment-Verfahren, also eine Anklage des Präsidenten mit dem Ziel, ihn aus dem Amt zu entfernen. Die, die das zu initiieren hätte, die Demokratische Partei, denkt offensichtlich nicht einmal dran. Darüber wird an anderer Stelle zu sprechen sein.
Aber auch niemand in seiner Partei, weder Vizepräsident Vance, noch der eher besonnen daherkommende Außenminister Rubio halten ihn auf. Diese sind selber als potentielle Nachfolger offensichtlich so machtgeil, dass sie ihn alles machen, selbst die Welt zerstören lassen.
Die beiden müssen gewusst haben von den Warnungen der eigenen Geheimdienste vor einem Militärschlag gegen den Iran, der wie ein zweites Vietnam ausgehen könne. Gehen die sprichwörtlich über tausende von Leichen, um eventuell selbst Präsident zu werden?
Da niemand in der demokratischen Partei offenbar ernstlich vorhat, das zu verhindern, werden wohl Vance oder Rubio im Januar 2029 die Wahl für ihre Präsidentschaft organisieren. Und darin liegt tatsächlich eine kleine Chance: Welcher der beiden es auch immer wird: Er wird versuchen, seine Macht zu erhalten, möglichst über zwei Wahlperioden. Und er wird wissen, dass er das nicht mit acht Jahren Krieg, Wirtschaftskrise und in internationaler Isolation schaffen kann.
Das heißt natürlich nicht, dass die USA nach Trump zu einem friedfertigen internationalen Partner werden. Das waren sie nie, auch nicht unter demokratischen Präsidenten. Es würde nur bedeuten, dass die amerikanische Politik der Weltbeherrschung, also der „normale“ Irrsinn einer kapitalistischen Großmacht, mit rationaleren Methoden betrieben wird, die auch berücksichtigen, dass selbst eine Weltmacht auf eine funktionierende Weltwirtschaft angewiesen ist. Das würde sie immerhin berechenbarer machen.
Insofern müsste man sich vor einer vorzeitigen „Entnahme“ des amtierenden Präsidenten nicht fürchten. In der Geschichte der USA ist dem HERRN, der Natur oder sonstwem da doch öfter mal was eingefallen.